Elke Hoff in der Rhein-Zeitung zu den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan


Elke Hoff mit Abdullah Abdullah Hoff schließt einen Machtwechsel nicht aus
FDP-Sicherheitsexpertin beobachtet, wie der Herausforderer Abdullah an Glaubwüdigkeit gewinnt
Die Neuwieder FDP-Bundestagsabgeordnete Elke Hoff, die Afghanistan und Pakistan in den vergangenen vier Jahren auch in schwer zugänglichen Regionen oft bereist hat, sieht die Wahl für Präsident Hamid Karsai noch nicht gelaufen. Die Sicherheitsexpertin beobachtet, dass sein Herausforderer Abdullah Abdullah Boden gutmacht, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung sagt.
Rechnen Sie mit der Wiederwahl von Präsident Hamid Karsai?
Da bin ich mir nicht so sicher, weil sein Herausforderer, der frühere Außenminister Abdullah Abdullah, immer mehr Boden gutmacht. Er geht zu den Menschen in den Dörfern und versucht, ein neues Politikbild aufzubauen, während Karsai den Ruf hat, nur in seinem Palast zu sitzen.
Was entscheidet die Wahl, die zunehmend von Gewalt und Terror begleitet wird?
Am Ende könnte entscheidend sein, dass Karsai der Mehrheit der Paschtunen angehört. Aber es ist auch entscheidend, in welchen Regionen es gelingt, die meisten Wähler an die Urnen zu bringen. Wenn die Paschtunen, die vorwiegend im umkämpften Süden leben, nicht in der Lage sind, zu wählen, zahlt sich dies für Abdullah aus.
Was würde sich denn mit seiner Wahl in Afghanistan ändern?
Wenig, weil dem Präsidenten entscheidende Mittel fehlen, Politik durchzusetzen: Es fehlen leistungsfähige Sicherheitskräfte. Sein Haushalt ist von ausländischen Gebermitteln abhängig. Außerdem gibt es noch keine politische Strategie für die Frage, wie alle relevanten Gruppen an der Macht teilhaben können. Dieses Problem ist vor allem im Süden und Osten, wo vorwiegend Paschtunen leben, nicht gelöst.
Was könnte ein Machtwechsel für die Nato und Deutschland bedeuten?
Ungeachtet des Wahlausgangs muss die Nato endlich eine politische Strategie entwickeln, wie man mit allen Beteiligten, auch den Aufständischen, zu einer politischen Lösung in Afghanistan kommt. Dazu könnte Deutschland innerhalb der Nato auch einen wichtigen Beitrag leisten. Zum Zweiten ist es wichtig, die afghanischen Sicherheitskräfte wirklich so handlungsfähig aufzubauen, um das Gewaltmonopol zu übergeben.
Sie kennen Abdullah, der wie Sie Föderalismus für Afghanistan fordert. Wäre er für den Westen ein besserer Verhandlungspartner?
Er wäre zumindest ein Verhandlungspartner, der - anders als Karsai - nicht als Instrument der Amerikaner gilt. Er kann deshalb mit mehr Glaubwürdigkeit auftreten. Sein Problem ist es, dass er der kleineren Bevölkerungsgruppe der Tadschiken angehört. Ich traue ihm aber zu, dass er als eher unverbrauchter Politiker Punkte gut-
macht.
Aber die Bundeswehr wird sich kurz- und mittelfristig noch nicht zurückziehen können?
Für den Rückzug ist noch keine tragfähige politische Lösung abzusehen. Es gehört zur Schwäche der Nato, dass die Staaten nicht an einem Strang ziehen, sondern unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie eine Verbesserung in Afghanistan durchzusetzen ist.
Das Interview führte
Ursula Samary


